Artikel auf CAPinside

Mythos oder Wahrheit #2: Sind Anleihen sicherer als Aktien?

Jeder kennt sie. Die meisten hängen an ihnen. Aber nur die wenigsten hinterfragen sie. Grund genug, um die so weit verbreiteten Börsenmythen auf Herz und Nieren zu prüfen. In unserer neuen Serie geht CAPinside-Expertin Jessica Schwarzer an der Börse auf die Jagd nach den wahren Weisheiten und den falschen Gerüchten. Diesmal: Sichere Anleihen und riskante Aktien.

Sichere Anleihen, riskante Aktien - Mythos oder Wahrheit? Für Hermann Ecker ist die Antwort klar: „Dass Anleihen sicherer als Aktien sind, ist ein Mythos“, sagt der Portfoliomanager von der Bayerische Vermögen Management. „Diese Ansicht ist ein Relikt aus der Zeit, als es noch Zinsen gab und der Markt Bonität einpreisen konnte.“ In Zeiten, in denen die Notenbanken massiv in den Markt eingreifen, entstehen Negativzinsen und Verluste. „Einzige Ausnahme sind Anleihen bonitätsstarker Unternehmen aus dem Mittelstand“, ergänzt er.

Das sieht Dennis Ehlert, Senior Portfolio Manager bei Bantleon anders. Schließlich umfasse der Begriff „Anleihe“ ein vielfältiges Spektrum an festverzinslichen Wertpapieren mit unterschiedlichen Risikoprofilen. Staatsanleihen aus Ländern mit Investment-Grade-Rating gelten als äußerst sicher und hochliquide. Deutsche Bundesanleihen oder US-Treasuries mit kurzer bis mittlerer Restlaufzeit sind daher auch in Krisenzeiten als sichere Häfen gesucht, da ein Zahlungsausfall nahezu ausgeschlossen werden kann. „In der Folge liegen die Kursschwankungen der jeweiligen Anleihe in der Regel im niedrigen einstelligen Prozentbereich“, sagt der Anleihe-Experte. „Im Vergleich dazu gelten Aktien als riskanter, was sich an einer deutlich höheren Volatilität und teilweise starken Kursverlusten widerspiegelt.“

 

Kein sicherer Hafen

Bei Unternehmensanleihen ist es wichtig, zwischen Emissionen aus dem Investment-Grade- und dem High-Yield-Bereich zu unterscheiden. „Während hochqualitative Unternehmensanleihen als stabileres Investment im Vergleich mit Aktien gelten, tragen Unternehmens- oder auch Staatsanleihen aus dem Hochzinsmarkt teilweise höhere Risiken als eine Aktie“, gibt auch Ehlert zu Bedenken. „Da bei als spekulativ eingestuften Anleihen ein hohes Zahlungsausfallrisiko besteht, sollten Anleger vorab das Unternehmen oder Land auf Herz und Nieren prüfen.“ Vor allem in Zeiten der Corona-Krise. Zuletzt haben die  Zahlungsausfälle zugenommen und das führt in den meisten Fällen dazu, dass Anleger nach der Abwicklung nur einen Bruchteil ihres eingesetzten Kapitals zurückerhalten. „Während bei Aktien der Totalverlust als größtes Risiko besteht, bieten Erholungsphasen wie zuletzt seit Mitte März Anlegern auch die Chance, durch Kursgewinne vorangegangene Verluste wieder einzuholen“, ergänzt Ehlert.

Er ist überzeugt, dass Anleihen grundsätzlich ein risikoärmeres Instrument als Aktien sind, zumal auch ein fixer Zahlungsstrom einer Anleihe den schwer vorhersehbaren Aktienkursen mit teilweise unregelmäßigen Dividendenzahlungen gegenüberstehen. Dennoch sollten Anleger einer Anleihe nicht blind vertrauen und speziell im Hochzinsmarkt ausreichend Informationen vor einer Investition einholen. Ecker von der Bayerischen Vermögen hingegen sieht die Anlageklasse insgesamt kritisch. Anleihen würden lediglich Rückzahlungsversprechen ohne besicherten Sachwert sein und seien daher uninteressant. „Anleihen sind kein sicherer Hafen für ein Depot“, ist der Investmentexperte überzeugt. „Diese Rolle kann die Liquidität besser spielen. Zudem ist diese kurzfristig ohne Risiko verfügbar.“ Vor allem in der aktuellen wirtschaftlichen Lage sind Bonds mit Vorsicht zu genießen. „Die Gefahr einer Pleitewelle bei Unternehmen ist real“, so Ecker. „Viele Staatshilfen laufen aus und dann drohen unvermeidlich Insolvenzen.“

 

Dividenden sind kein Zins-Ersatz

Für Ehlert hingegen sind hochqualitative Anleihen wie deutsche Bundesanleihen oder US-Treasuries trotz des niedrigen Zinsniveaus auch in Krisenzeiten ein wichtiger Stabilisator für das Portfolio. „Kursverluste an den Aktienmärkten gehen meist mit steigenden Kursen von sicheren Häfen wie deutschen Staatsanleihen einher, welche den Verlust und die Volatilität des Portfolios reduzieren“, betont er. Im Investment-Grade-Bereich sehen die Bantleon-Experten die Lage derzeit als ungefährlich an. Die Liquiditätssituation der Unternehmen ist solide und es kann von einer noch lange anhaltenden Unterstützung der EZB für dieses Segment ausgegangen werden. „Deutlich gefährlicher ist die Lage jedoch bei den Unternehmen mit schwächeren Bonitätsstufen, also im High-Yield-Bereich“, sagt Michael Hess, Leiter Portfolio Management Unternehmensanleihen bei Bantleon. „Hier muss mit Ausfallraten von bis zu acht Prozent gerechnet werden, insbesondere in den von der Coronavirus-Pandemie besonders stark betroffenen Sektoren.“

Also doch lieber Aktien als Anleihen? „Wer heute in Aktien investiert, agiert keineswegs sorglos“, ist Ecker überzeugt. Selbst in Krisen gibt es gut funktionierende Geschäftsmodelle mit planbaren Erträgen. Viele Unternehmen bieten zudem Dividendenrenditen, die attraktiver sind als viele Kupons. Natürlich sind Dividenden kein Ersatz für die schwindenden Zinsen und Zinskupons. Aktien sind schließlich keine Anleihen. Doch es spricht aktuell viel für Aktien. „Auch aus Bewertungssicht halten wir Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 15 und 25 für interessanter als Anleihen, wo das KGV bei über 150 liegt“, ergänzt Ecker. Ein weiteres Argument für Aktien sei, dass der Aktienmarkt noch weitgehend intakt sei, während die Eingriffe in den Anleihemarkt allgegenwärtig seien. „Aktien werden korrigieren, aber langfristig werden sie – vor allem in Zeiten der Negativzinsen - nach oben tendieren“, ist Ecker überzeugt.

Sichere Anleihen, riskante Aktien - diese Aussage kann getrost ins Reich der Mythen verbannt werden. Investoren müssen diese Anlageklassen neu denken. Manche Aktien sind sehr viel sicherer und auch günstiger als Anleihen. Vermeintlich sichere Häfen wie Bundesanleihen rentieren negativ. Die Welt der Investoren hat sich verändert. Risiko, Sicherheit und Rendite - dieses Zusammenspiel funktioniert heute anders als noch vor ein paar Jahren.

Artikel lesen:

Kempten

Bad Reichenhall

Braunschweig

Beethovenstr. 18
87435 Kempten

T: 0831 / 58098-0
  F: 0831 / 58098-11

Alte Saline 11

D-83435 Bad Reichenhall

T: 08651 / 99636-40
F: 08651 / 99636-41

Adolfstraße 65
38102 Braunschweig

T: 0531 / 4820 5820-30
F: 0531 / 4820 5820-32

© 2019 Bayerische Vermögen Management AG

DATENSCHUTZERKLÄRUNG

IMPRESSUM

Vermögensverwaltung

Fondmanagement

Vermögensmanagement